Klosterkirche St. Marien · Lehnin Wegscheider-Orgel Lehnin
Über Pfeifen und Tasten

Die Wegscheider-Orgel in Lehnin

Ein herausragendes Instrument mit 28 Registern – gebaut im technischen und klanglichen Stil von Gottfried Silbermann.

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Die Wegscheider-Orgel in Lehnin

Die neue Wegscheider-Orgel mit Spielschrank im nördlichen Querschiff der Klosterkirche
Die neue Wegscheider-Orgel mit Spielschrank im nördlichen Querschiff der Klosterkirche (Foto: Udo Furthmüller)

Die Klosterkirche Lehnin und ihre Gäste warten seit einem halben Jahrhundert auf eine würdige Orgel. Eine einzigartige Chance tat sich 2024 auf: In Köln musste die renommierte Orgel von Kristian Wegscheider kurzfristig wegen der Umnutzung der dortigen Kirche und schädlicher klimatischer Bedingungen abgebaut und verkauft werden. Als Wegscheider-Opus 60 wurde dieses herausragende Instrument im Jahr 2003 für die Diakonie Michaelshoven in Köln im technischen und klanglichen Stil von Gottfried Silbermann gebaut.

Mit 28 Registern vermag die Orgel die Klosterkirche Lehnin zukünftig sehr gut zu füllen und kann ohne jegliche Umbauten in der Klosterkirche Lehnin aufgestellt werden. Mit ihren Abmessungen entspricht sie genau der Orgel, die 1975 entfernt wurde. Jetzt steht sie ebenerdig im nördlichen Querschiff.

Dank ihrer spezifischen Registerzusammenstellung füllt die Orgel den Kirchenraum perfekt mit Klang und bietet zahlreiche differenzierte Ausdrucksmöglichkeiten. Besonders gut eignet sie sich für Orgelmusik aus dem stilistischen Umfeld von Johann Sebastian Bach.

Der Prozess der Akklimatisierung aller Orgelteile ist abgeschlossen und der Wiederaufbau ist vollendet. Die feierliche Inauguration fand am 03. Juli 2026 statt.

Der Erwerb dieser Orgel war für die Klosterkirche Lehnin eine einmalige Möglichkeit, ein Instrument von außergewöhnlicher Qualität zu erhalten. Die Realisierung dieses Projekts ist nicht nur für die Kirchengemeinde ein Gewinn; es stärkt auch die Tradition des Orgelbaus und der Orgelmusik in Deutschland, die 2017 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt wurden.

Breite Unterstützung

Das Vorhaben stößt auf breite Unterstützung. Private Spender und namhafte Förderer wie das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, die Gemeinde Kloster Lehnin, die Rudolf-August-Oetker-Stiftung und die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS haben bereits über 260.000 Euro beigesteuert. Bei Gesamtkosten von etwa 400.000 Euro ist die Finanzierung des Projekts in greifbare Nähe gerückt.

Kristian Wegscheider: Ein Meister des Orgelbaus

Kristian Wegscheider spricht anlässlich der Orgeleinweihung in Lehnin
Kristian Wegscheider spricht anlässlich der Orgeleinweihung in Lehnin (Copyright: Faroqhi Peretz Filmproduktion)

Kristian Wegscheider ist ein renommierter Orgelbauer, der seine Karriere in Dresden bei Jehmlich Orgelbau begann, wo er die Restaurierungsabteilung leitete. Während dieser Zeit betreute er unter anderem die Überarbeitung der berühmten Gottfried-Silbermann-Orgel (1714) im Freiberger Dom.

1989 gründete er seine eigene Werkstatt in Dresden. Seitdem hat er rund 100 Orgelprojekte realisiert, die sowohl Restaurierungen als auch Neubauten umfassen.

Bedeutende Wegscheider-Projekte

Zu seinen herausragendsten Restaurierungen zählen:

  • Die Stellwagen-Orgel in der Marienkirche in Stralsund
  • Die Migendt-Orgel der Prinzessin Amalie in Berlin-Karlshorst
  • Die Silbermann-Orgel in der Katholischen Hofkirche Dresden

Beachtenswerte Neubauten seiner Werkstatt finden sich im Münster Ingolstadt, in der Jakobikirche Stralsund und in der Schifferkirche Ahrenshoop. Ein besonderer Höhepunkt ist der jüngste Auftrag zum Bau einer Orgel für den Dom zu Riga.

Philosophie und Auszeichnungen

Im Jahr 2000 wurde Wegscheider für seine Arbeit mit dem Arras-Preis für Kunst und Kultur ausgezeichnet. In der Würdigung wurde er als „herausragender, kunsthandwerklich auf großer Höhe stehender Orgelbauer, dessen Qualitäten und stets waches, innovatives Denken in dieser Art selten sind“ gewürdigt.

Wegscheiders Orgeln sind als in sich geschlossene Kunstwerke konzipiert, die keine nachträglichen Umbauten oder Ergänzungen benötigen. Dank ihrer hohen handwerklichen Qualität sind sie gebaut, um über Jahrhunderte hinweg zu überzeugen und bei fachgerechter Behandlung sehr lange spielbar zu sein.

Eine Orgel von Kristian Wegscheider ist etwas Außergewöhnliches

Warum ist eine Wegscheider-Orgel ein einmaliges, besonderes Kunstwerk?

Qualität des Entwurfs

In sich geschlossene Konzeption mit klarer Vision – inspiriert von Gottfried Silbermann, mit unverkennbar eigener Handschrift.

Handwerkliche Ausführung

Massives Holz, Eisen, Messing und Leder – gefertigt für mehrere Jahrhunderte, ganz ohne Kunststoffe.

Sympathische Spielbarkeit

Jede Taste, jede Pfeife belohnt den Spieler mit einem eigenen, einladenden Klang.

Klangliches Erlebnis

Kraftvolle Grundklänge, perfekt ergänzende Obertonregister und voluminöse Trompeten.

Spielschrank der Wegscheider-Orgel mit  Registerzügen
Spielschrank der Wegscheider-Orgel mit Registerzügen (Foto: Gemeinde Lehnin)

Kristian Wegscheider ist weit mehr als nur ein Handwerker – er ist ein Künstler mit der seltenen Gabe, herausragende Musikinstrumente zu schaffen. Seine Philosophie ist kompromisslos: Er baut Orgeln nach seiner eigenen Konzeption oder nimmt einen Auftrag nicht an.

Wegscheiders Entwürfe sind in sich geschlossen und folgen einer klaren Vision. Er ist stark vom mitteldeutschen Orgelbauer Gottfried Silbermann (1683–1753) inspiriert, doch seine Werke tragen immer eine unverkennbare eigene Handschrift.

Kristian Wegscheiders Orgeln sind keine bloßen Kopien historischer Instrumente, sondern das Ergebnis seiner tiefgreifenden Kenntnis und Erforschung historischer Vorbilder. Wer bei Wegscheider eine Orgel in Auftrag gibt, bestellt daher nicht einfach eine bestimmte Registerzusammenstellung, sondern ein vollendetes Kunstwerk, das nach seinen kompromisslosen Vorgaben gefertigt wird.

Markenzeichen einer Wegscheider-Orgel

Kristian Wegscheiders Orgeln sind sofort erkennbar. Sie werden ausschließlich aus massivem Holz, Eisen, Messing oder Leder gefertigt, wobei die Holzverbindungen traditionell verzinkt sind. Auf Kunststoffe wird konsequent verzichtet. Jedes Detail ist darauf ausgelegt, die Instrumente für mehrere Jahrhunderte haltbar zu machen.

Trotz ihrer 28 Register wirkt sie dank ihrer schlanken, kompakten Bauweise zierlich. Das liegt an der Anordnung des Pedalwerks, das unauffällig hinter dem Hauptwerkgehäuse platziert ist. Die sichtbaren Pfeifenfelder der Prinzipale des Haupt- und Oberwerks spiegeln die klassische Aufteilung der Manualwerke wider. Gehäuse und Funktion bilden hier eine harmonische Einheit.

Der Klang der Orgeln ist ebenso beeindruckend. Die Grundklänge sind kraftvoll und tragfähig, während die Obertonregister den Klang perfekt ergänzen. Die Trompetenregister klingen bis in die tiefsten Lagen voluminös. Sowohl leise als auch laute Klänge überzeugen: Die sanften Stimmen beglücken Spieler und Zuhörer gleichermaßen, während die lauten Register frisch, vollmundig und perfekt abgerundet sind.

Wie konnte Wegscheider außergewöhnliche Instrumente schaffen?

Wegscheiders Erfolg beruht auf mehreren Faktoren, die über reine Handwerkskunst hinausgehen:

Interdisziplinärer Austausch

Wegscheider pflegt enge Kontakte zu führenden Künstlern, Musikern, Wissenschaftlern und Gelehrten. Dieser Austausch ermöglicht es ihm, sein eigenes Potenzial stetig weiterzuentwickeln und in seine Arbeit einfließen zu lassen.

Fokus auf Qualität

Er unterscheidet klar zwischen echter Qualität und oberflächlichem Blendwerk. Seine Instrumente überzeugen durch ihre innere Substanz, nicht durch äußere Effekte.

Kooperative Arbeitsweise

Wegscheider nutzt die speziellen Fähigkeiten seiner wenigen, langjährigen Mitarbeiter. Trotz dieser kommunikativen Zusammenarbeit setzt er seine geradlinigen und kompromisslosen Vorstellungen konsequent um.

Durch diese Vorgehensweise entstehen in seiner Werkstatt Orgeln, die als in sich geschlossene, „unveränderbare“ Kunstwerke gelten.

Pfarrerin Almuth Wisch und Kirchenmusikdirektor Gerhard Oppelt vor der Wegscheider-Orgel
Pfarrerin Almuth Wisch und Kirchenmusikdirektor Gerhard Oppelt aus Kloster Lehnin freuen sich auf die Wegscheider-Orgel für die Klosterkirche Lehnin – hier noch in Köln-Michaelshoven (Foto: Gisa Albach)

Eine Orgel mit einzigartigem Klang und Aufbau

Blick in das Innere der Wegscheider-Orgel mit hölzerner Traktur
Blick in das Innere der Wegscheider-Orgel mit der aus Holz und Metall gefertigten Traktur (Foto: Gisa Albach)

Der Klang dieser Orgel ist grandios. Bereits die Register des Hauptwerks allein können den Raum sonor ausfüllen, ähnlich wie bei spanischen oder französischen Orgeln.

An dieser Orgel gibt es kein einziges Register, auf das man verzichten könnte; alle Elemente bauen aufeinander auf und kommunizieren miteinander.

Selbst einfache Registrierungen, wie ein Gedackt 8', sind ein Erlebnis. Jede einzelne angesprochene Gedacktflöte belohnt den Spieler mit einem eigenen, einladenden Klang, der zur Freude am nächsten Ton inspiriert.

  • Der Bourdon 16' spricht schnell an und liefert ein tragfähiges Fundament, bleibt aber dabei schlank genug, um sich in flötige Registrierungen einzufügen.
  • Die Trompete 8' im Hauptwerk besitzt eine Gravität, wie man sie von spanischen, französischen oder sächsischen Orgeln kennt.

Eine Wegscheider-Orgel vereint die Summe der besten handwerklichen und künstlerischen Orgelbauerfahrungen der letzten 500 Jahre. Sie ist konzipiert, um Spieler und Zuhörer über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg zu höchster musikalischer Freude zu inspirieren – und leistet damit einen wahrhaftigen Beitrag zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die neue Lehniner Orgel hat folgende Disposition:

Hauptwerk

  • Bourdon 16'
  • Principal 8'
  • Rohrflöte 8'
  • Viola di Gamba 8'
  • Octave 4'
  • Spitzflöte 4'
  • Quinte 3'
  • Superoctave 2'
  • Mixtur 4f
  • Cornett 3f
  • Trompete 8'
Tremulant

Oberwerk

  • Principal 8'
  • Gedackt 8'
  • Quintadena 8'
  • Octave 4'
  • Rohrflöte 4'
  • Nasat 3'
  • Gemshorn 2'
  • Tertia 1 3/5'
  • Quinte 1 1/3'
  • Sufflet 1'
  • Cimbel 3f
  • Vox humana 8'
Schwebung

Pedal

  • Principalbass 16'

  • Subbass 16'

  • Octavbass 8'

  • Violonbass 8'

  • Posaunenbass 16'

Metallpfeifen aus dem Trompetenregister im Draufblick
Pfeifen aus dem Trompetenregister der Wegscheider-Orgel vor dem Einbau (Foto: Udo Furthmüller)
Registerzüge und Klaviaturbacken der Wegscheider-Orgel
Registerzüge und Klaviaturbacken der Wegscheider-Orgel (Foto: Gisa Albach)

Hören und sehen Sie die Orgel

Sehen Sie hier ein Video mit Klängen der Wegscheider-Orgel vor dem Abbau in Michaelshoven:

Der Aufbau: Hier können Sie den Aufbau der Wegscheider-Orgel in der Klosterkirche Lehnin im Zeitraffer verfolgen.

Zeitraffer-Video starten (c) Leo Albach Externer Link – folgt demnächst

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